Objectives formulieren
Inspirierende Objectives formulieren

Objectives formulieren

Alle drei Monate steht jedes Team mit OKR vor der Herausforderung gute Objectives zu formulieren. Generell sollen diese qualitativen Ziele beschreiben, was sich am Ende der nächsten Iteration verändert hat. Sie sollen inspirierend und motivierend sein. Außerdem sollen sie ambitioniert sein, also eine Mini-Vision für die nächsten 3 Monate darstellen. Das klingt zunächst sehr einfach – und das ist es auch, wenn das Team auf einige Richtlinien achtet.

Endzustand im Objective angeben

Beim Aufstellen von OKR gibt es das Phänomen, dass viele gute Ideen gesammelt werden und sich die Gruppe dabei entweder auf auf Key Results oder auf die Objectives fokussiert. Daraus ergeben sich dann z.B. Objectives wie dieses:

Kundenzufriedenheit erhöhen

Ein Objective gibt Orientierung, Ausrichtung und Halt. Je spezifischer es ist, desto besser. Das Beispiel „Kundenzufriedenheit erhöhen“ gibt nur bedingt Orientierung. Positiv können wir herausstellen, dass es den Fokus auf die Kundenzufriedenheit legt. Weiterhin können wir annehmen, dass es in den Key Results noch klarer ausdifferenziert wird, was das bedeutet. Jedoch bleibt unklar, was genau das Team damit erreichen will. Ebenfalls ist nicht zu ersehen, warum das Team die Zufriedenheit erhöhen will. Ein Objective beantwortet daher die Frage nach dem Was und die Frage nach dem Warum so genau wie möglich. Dieses Beispiel könnte so verbessert werden:

Um langfristige Beziehungen aufzubauen, verbessern wir die Kundenzufriedenheit

Wir installieren ein neues Supportsystem um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen

Insbesondere die letzte Variante gibt Klarheit: Das neue Supportsystem soll offenbar dazu beitragen, dass die Kundenzufriedenheit sich erhöht. Eine Aufgabe, die in 3 Monaten lösbar ist. Die Aufgabe „Kundenzufriedenheit erhöhen“ kann nie komplett gelöst sein.

Wir verbessern den Vertrieb durch gezielte Kampagnen

In diesen beiden Beispielen stecken ein paar Schwierigkeiten. Bei „Kundenzufriedenheit erhöhen“ handelt es sich um nicht mehr als eine Überschrift für die darunter liegenden Key Results, welche keinen eigenen Zweck erfüllt. Es ist allgemein formuliert und kann für dieses Team, wie auch für hunderte andere relevant sein. Motivation ist individuell unterschiedlich und diese Unterschiede sollten sich in der Formulierung widerspiegeln. Wenn dies nicht der Fall ist, werden Fragen wie „Warum machen wir das eigentlich?“ aufkommen.

Weiterhin ist das Beispiel ein Dauerbrenner und kann für die nächsten 10 Jahre verwendet werden. Dadurch gibt es nur wenig Orientierung und verfehlt den Sinn einer Mini-Vision.

Verb + Objekt

Klingt simpel, ist es auch. Mit der einfachen Regel, dass ein Objective mindestens aus einem Verb plus ein Object besteht, lassen sich Objectives bereits verbessern. Nehmen wir dieses Beispiel:

TolleSoftware 2.0

Im ersten Moment kann das für das Team ein ambitioniertes, motivierendes Ziel sein. Jedes Teammitglied wird sich vorstellen, wie die neue Version des Produkts Realität wird. Nur wird jeder und jede darunter vielleicht etwas anderes verstehen. Der eine wird daran denken, dass die Software 1000x verkauft wird. Die nächste wird denken, dass die Software fertig entwickelt wird. Ein anderes Mitglied wird denken, dass die TolleSoftware 2.0 fertig designed ist. Was macht das Team dann zwei Wochen später? Feststellen, dass ihre 3-Monats-Mini-Vision sehr unklar ist. Eine bessere Variante:

TolleSoftware 2.0 entwickeln

Diese kleine Verbesserung macht klar, dass der Fokus in dieser Iteration darauf liegt, die Entwicklung durchzuführen. Damit ist jene neue Variante spezifischer, greifbarer und lässt dadurch weniger Interpretationsspielraum.

Spezifische Objectives formulieren

OKR werden nach der SMART-Methode aufgestellt. In dem Zusammenhang sind bereits die Objectives spezifisch – je spezifischer, desto besser. Wenn wir genau wissen, was wir in den nächsten drei Monaten erreichen wollen, dann gehört das in das Objective. Das ist ein sehr unspezifisches Objective:

Besser werden

Das hier wiederum ist ein spezifisches Objective:

Mit neuem CRM den Vertrieb zu einen Rekordabschluss bringen

Während „Besser werden“ alles oder nichts umfassen kann, zeigt das zweite Beispiel klar auf, was erreicht werden soll und zu was das führen wird. Ein Objective wird daher so genau wie möglich formuliert.

Motivation, Spezifität und das Warum

Wenn wir Objectives aufstellen, stellen wir immer die Frage nach dem Warum. Warum wollen wir Software X einführen? Warum wollen wir uns im Markt Y etablieren? Warum wollen wir diesen neuen Geschäftszweig aufbauen? Erst wenn dieses Warum beantwortet ist, können wir Objectives aufstellen, die tatsächlich eine Mini-Vision sind. Das sind dann Objectives, welche klar aufzeigen, was uns wichtig ist. Ob diese Gründe nun rein kognitiv oder emotional sind, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist es, die Gründe zu finden und im Objective deutlich zu kommunizieren.

Die Frage nach dem Warum birgt Risiken. Wenn ein Unternehmen mehrfach seine Ziele hinterfragt, z.B. mit der 5-W-Methode, landet es oft bei einem von zwei Ergebnissen. Entweder „Wir wollen Geld verdienen“ oder „Wir wollen Basisbedürfnis X befriedigen“. X kann dabei z.B. Sicherheit oder Autonomie sein. Letztendlich lassen sich die meisten Vorhaben darauf zurückführen. Für Objectives ist es allerdings nicht hilfreich, derart weit zu forschen.

OKR sind die Verbindung zwischen Strategie und Tagesgeschäft. Daher ist die Aufgabe eines Objectives auf Unternehmensebene, diese Verbindung herzustellen. Ganz praktisch könnte ein fiktives Jahresziel lauten:

Wir etablieren unsere App FancyMessenger in Deutschland.

Darauf würde sich das Unternehmen folgende Objectives für das erste Quartal ableiten:

Mit Social-Media-Kampagnen machen wir uns im Pilotbereich Hessen bekannt

EarlyAdopter lieben unseren fertig entwickelten Prototyp

Diese Objectives geben dem Unternehmen bereits Orientierung. Der erste Schritt im Marketing ist demnach die Bekanntheit in einem spezifischen Gebiet. Für die Entwicklung der App ist klargestellt, dass es zunächst um einen nutzbaren Prototyp geht, welcher die ersten Nutzer begeistert. Ab diesem Punkt können die Unternehmens-Objectives in Team Objectives heruntergebrochen werden. Durch diesen Schritt werden große Ziele in überschaubare Team-Ziele verwandelt, die erneut näher am Tagesgeschäft sind.

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